Immobilie verkaufen · Überschreiben oder verkaufen?

Immobilie überschreiben oder verkaufen im Pflegefall?

„Wir überschreiben das Haus rechtzeitig an die Kinder, dann ist es vor den Pflegekosten sicher" – das ist der häufigste Irrtum. Verschenkte Immobilien sind über die Schenkungs-Rückforderung volle 10 Jahre angreifbar. Wir erklären verständlich, was wirklich schützt, wann ein Verkauf der ehrlichere Weg ist – und ermitteln auf Wunsch kostenlos den Wert Ihrer Immobilie.

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Der häufige Irrtum beim Überschreiben

Viele Eltern möchten ihr Haus oder ihre Wohnung „rechtzeitig" an die Kinder überschreiben (verschenken), damit es im Pflegefall nicht für die Heimkosten eingesetzt werden muss. Die Idee klingt naheliegend – funktioniert aber meist nicht so:

Überschreiben schützt die Immobilie nicht kurzfristig vor den Pflegekosten. Eine verschenkte Immobilie kann über die Schenkungs-Rückforderung (§ 528 BGB) herangezogen werden – und zwar volle 10 Jahre lang (§ 529 BGB). Wer kurz vor oder im Pflegefall überträgt, erreicht damit oft das Gegenteil von Sicherheit.

Der Schutzgedanke geht nur auf, wenn die Übertragung weit genug in der Vergangenheit liegt – sonst greift der Staat über das Sozialamt zu. Im Folgenden steht, wie das genau funktioniert und welcher Weg in welcher Situation sinnvoll ist.

Schenkung zurückfordern: § 528 BGB & die 10-Jahres-Frist

Wird der Schenker nach der Übertragung „verarmt" – reichen also Rente, Erspartes und Pflegeversicherung nicht für die Heim-/Pflegekosten – kann er die Schenkung nach § 528 BGB zurückfordern. In der Praxis bedeutet das:

  • Keine Rückgabe in einer Summe: Bei laufenden Heimkosten richtet sich der Anspruch auf eine wiederkehrende (meist monatliche) Zahlung der jeweils ungedeckten Lücke – die beschenkten Kinder zahlen also Monat für Monat, bis der Wert des Geschenks aufgebraucht ist.
  • Gedeckelt auf den Geschenkwert: Mehr als den Wert der Schenkung muss niemand zahlen; ist er aufgebraucht, endet die Pflicht (Entreichung, § 818 Abs. 3 BGB). Aus eigenem sonstigen Vermögen muss der Beschenkte nicht „draufzahlen".
  • Geld statt Rückübertragung: Der Beschenkte kann die Herausgabe der Immobilie abwenden, indem er stattdessen den nötigen Betrag zahlt (§ 528 Abs. 1 S. 2 BGB).
  • Notbedarfseinrede: Würde durch die Zahlung der eigene angemessene Unterhalt des Beschenkten gefährdet, muss er nicht herausgeben (§ 529 Abs. 2 BGB).

Wie kommt das Sozialamt ins Spiel? Springt das Sozialamt mit der „Hilfe zur Pflege" ein, übernimmt es zunächst die ungedeckten Kosten und leitet den Rückforderungsanspruch der Eltern nach § 93 SGB XII auf sich über – und fordert das Geld dann beim beschenkten Kind ein.

Die 10-Jahres-Frist (§ 529 BGB) ist eine harte Grenze – ohne Abschmelzen. Tritt die Bedürftigkeit (Pflegefall mit ungedecktem Bedarf) vor Ablauf von 10 Jahren ein, ist die Schenkung voll angreifbar; tritt sie nach 10 Jahren ein, ist die Rückforderung ausgeschlossen. Die Frist beginnt mit dem Vollzug der Übertragung (Eigentumsumschreibung im Grundbuch) – nicht mit dem späteren Auszug. Ein vorbehaltener Nießbrauch oder ein Wohnrecht hindert diese Frist nicht (anders als beim Pflichtteil, siehe unten).

Echter Verkauf: sauber, aber der Erlös zählt

Ein Verkauf zum angemessenen Marktpreis ist keine Schenkung – hier gibt es keinen Rückforderungsanspruch nach § 528 BGB. Der Kaufpreis tritt einfach an die Stelle der Immobilie und ist als Vermögen für die Pflege einzusetzen. Das ist im Pflegefall oft der ehrlichere und klarere Weg: Er schafft sofort Liquidität für die Heimkosten und birgt kein Rückforderungsrisiko.

Vorsicht beim „Verkauf unter Wert" an die Familie. Wer deutlich zu billig an die Kinder verkauft, schafft eine gemischte Schenkung: Der verschenkte (unentgeltliche) Teil unterliegt wieder § 528 BGB. Ein dokumentierter, marktgerechter Preis schützt – gegenüber dem Sozialamt ebenso wie innerhalb der Familie.

Und die selbst genutzte Immobilie? Solange die pflegebedürftige Person selbst oder der Ehe-/Lebenspartner darin wohnt, ist ein angemessenes selbst genutztes Hausgrundstück geschützt (§ 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII) und muss nicht verwertet werden. Zieht der alleinige Eigentümer dauerhaft ins Heim und wohnt niemand Geschütztes mehr darin, kann das Sozialamt die Verwertung verlangen – teils zunächst nur als Darlehen gegen Eintragung im Grundbuch (§ 91 SGB XII). Geschütztes Barvermögen (Schonvermögen) liegt bei der Hilfe zur Pflege bei 10.000 € pro Person (Stand 2025, bei Paaren 20.000 €; per Verordnung änderbar – nicht zu verwechseln mit dem höheren Bürgergeld-Freibetrag).

Überschreiben, verkaufen oder behalten?

Die drei Wege im direkten Vergleich – je nach Ziel:

AspektÜberschreiben (Schenkung)VerkaufenBehalten
Schutz vor Pflegekostenerst nach 10 Jahren (§ 528/529 BGB)nein – der Erlös ist einzusetzenselbst genutzt geschützt, solange Partner darin wohnt
Liquidität für die Pflegekeine – Wert bleibt in der Immobilieja – sofort der volle Erlöskeine
Eigentum / Kontrollegeht an die Kinder übergeht an den Käufer überbleibt bei den Eltern
Steuer / NachlassFreibeträge alle 10 J. nutzbar; Nießbrauch mindertselbst genutzt meist steuerfrei
Wichtigstes Risiko10-Jahres-Rückforderung + Pflichtteil + KontrollverlustVermögen ist verbrauchtlaufende Kosten bei Leerstand

Schenkungsteuer & Nießbrauch

Wo das Überschreiben wirklich seine Stärke hat, ist die langfristige Steuer- und Nachlassplanung – nicht der kurzfristige Pflegekostenschutz. Die persönlichen Freibeträge (§ 16 ErbStG) gelten für Schenkung und Erbschaft gleichermaßen, je beschenkter Person:

  • Kinder: 400.000 € je Elternteil (über beide Eltern also bis 800.000 €),
  • Ehe-/eingetragene Lebenspartner: 500.000 €,
  • Enkel: 200.000 €.

Diese Freibeträge lassen sich alle 10 Jahre erneut nutzen (§ 14 ErbStG) – frühzeitiges, gestaffeltes Übertragen kann die Steuer deutlich senken. Behält sich der Schenker einen Nießbrauch (oder ein Wohnrecht) vor, mindert dessen Wert die steuerpflichtige Zuwendung (seit 2009 voll abziehbar) – oft genug, um unter den Freibetrag zu fallen.

Pflichtteil: die zweite 10-Jahres-Regel

Es gibt eine zweite 10-Jahres-Regel – verwechseln Sie sie nicht mit der Schenkungs-Rückforderung: Verschenkte Immobilien zählen für den Pflichtteil naher Angehöriger anteilig zum Nachlass (Pflichtteilsergänzung, § 2325 BGB). Sie wird aber abgeschmolzen:

  • im 1. Jahr vor dem Erbfall zu 100 %, dann jedes Jahr 1/10 weniger – nach 10 Jahren bleibt die Schenkung ganz außer Betracht.
  • Voller Nießbrauch: Behält sich der Schenker einen umfassenden Nießbrauch vor, beginnt diese Frist nicht zu laufen – die Schenkung bleibt voll anrechenbar.
  • Schenkung an den Ehepartner: Die Frist beginnt erst mit Auflösung der Ehe.

Merke: Beim Sozialamt (§ 528/529 BGB) gilt die harte 10-Jahres-Grenze, beim Pflichtteil (§ 2325 BGB) wird abgeschmolzen – und der Nießbrauch wirkt in beiden Fällen genau gegensätzlich auf den Fristlauf. Genau deshalb gehört eine Übertragung in die Hand von Notar und Fachanwalt.

Was sich wann lohnt

  • Geht es darum, kurzfristig die Pflege zu finanzieren: Meist ist der Verkauf der sauberere Weg – sofort Liquidität, kein Rückforderungsrisiko. Mehr dazu: Immobilie verkaufen für die Pflegekosten.
  • Geht es um langfristige Steuer-/Nachlassplanung: Ein frühzeitiges, gut beratenes Überschreiben (oft mit Nießbrauch) kann sinnvoll sein – idealerweise mehr als 10 Jahre vor einem möglichen Pflegefall.
  • Müssen die Kinder zahlen? Für den laufenden Elternunterhalt erst ab 100.000 € Bruttojahreseinkommen (Angehörigen-Entlastungsgesetz). Achtung: Das schützt nicht vor dem Schenkungs­regress – eine geschenkte Immobilie kann unabhängig vom Einkommen herangezogen werden.
  • Immer prüfen lassen: Übertragung, Nießbrauch, Pflichtteil und Sozialamt greifen ineinander – Notar, Fachanwalt und Steuerberater einbeziehen.
Dieser Ratgeber bietet allgemeine, sorgfältig recherchierte Informationen (Stand 2025/2026, u. a. §§ 528, 529, 2325 BGB; §§ 90, 91, 93 SGB XII; §§ 14, 16 ErbStG) und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Sozialberatung. Beträge (z. B. Schonvermögen, Freibeträge) und die Angemessenheitsprüfung hängen vom Einzelfall ab und können sich ändern. Vor einer Übertragung oder einem Verkauf Notar, Fachanwalt und Steuerberater hinzuziehen und konkrete Werte beim zuständigen Amt bestätigen lassen.
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Überschreiben oder verkaufen – was passt zu Ihrer Familie?

Die Entscheidung hat viele Seiten: Pflegekosten, Sozialamt, Steuern, Pflichtteil und die Frage, was die Immobilie überhaupt wert ist. Wir ordnen Ihre Situation in Ruhe ein, ermitteln den realistischen Wert und sagen Ihnen ehrlich, welcher Weg trägt – unabhängig und werbefrei. Die rechtliche und steuerliche Feinabstimmung übernehmen dann Notar und Steuerberater.

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Häufige Fragen

Schützt das Überschreiben die Immobilie vor den Pflegekosten?

Nicht kurzfristig. Eine verschenkte Immobilie kann über § 528 BGB herangezogen werden, solange die 10-Jahres-Frist (§ 529 BGB) nicht abgelaufen ist. Erst wenn zwischen Übertragung und Pflegebedürftigkeit mehr als 10 Jahre liegen, ist die Rückforderung ausgeschlossen.

Was passiert, wenn die Eltern innerhalb der 10 Jahre pflegebedürftig werden?

Dann kann der ungedeckte Heimkostenanteil von den beschenkten Kindern verlangt werden – in der Regel als laufende monatliche Zahlung, bis der Wert des Geschenks aufgebraucht ist (gedeckelt auf diesen Wert). Das Sozialamt leitet den Anspruch der Eltern dafür nach § 93 SGB XII auf sich über.

Ab wann läuft die 10-Jahres-Frist?

Ab dem rechtlichen Vollzug der Übertragung, also der Eigentumsumschreibung im Grundbuch – nicht ab dem Auszug. Ein vorbehaltener Nießbrauch oder ein Wohnrecht hindert den Fristlauf beim Sozialamt-Regress nicht.

Ist Verkaufen besser als Überschreiben?

Zur Finanzierung der Pflege meist ja: Ein Verkauf zum Marktpreis ist keine Schenkung, schafft sofort Liquidität und birgt kein Rückforderungsrisiko. Zum reinen Pflegekostenschutz taugt das Überschreiben kaum; seine Stärke ist die langfristige Steuer- und Nachlassplanung.

Müssen Kinder für die Pflege der Eltern zahlen?

Für den laufenden Elternunterhalt erst, wenn ein Kind mehr als 100.000 € brutto im Jahr verdient. Wichtig: Diese Grenze schützt nicht vor dem Schenkungsregress – eine geschenkte Immobilie kann unabhängig vom Einkommen herangezogen werden.

Bringt ein vorbehaltener Nießbrauch etwas?

Steuerlich ja – er mindert die Schenkungsteuer. Beim Sozialamt-Regress (§ 528/529 BGB) verhindert er die 10-Jahres-Frist allerdings nicht. Beim Pflichtteil (§ 2325 BGB) wirkt er dagegen umgekehrt: Ein voller Nießbrauch lässt die Frist gar nicht erst laufen. Das gehört in eine notarielle Beratung.

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